Details Juddeturm


Der Juddeturm von der Feldstraße, der heutigen Schlossstraße, aus gesehen ca. 1910/15. Der Turm ist 35,95 m hoch. Im Vordergrund ist die Pumpe auf dem Platz vor dem heutigen Bürgerhaus zu sehen, die hier von 1874 bis in die 1960er Jahre stand.
[Fotosammlung Thomas Schwabach]


Hinweistafel am Juddeturm.


Der Juddeturm von der Mühle aus gesehen. Vorne rechts am Turm ist das ehemalige "Wächterhäuschen" zu sehen, das lange dachlos war. Es wurde durch den Rhein-Kreis Neuss 2010/11 wieder hergestellt. 1939 wurde der Turm neu bedacht, wobei u.a. die heutigen Fenster unter der Spitze geschaffen und der auf der historischen Aufnahme noch zu sehende Kamin entfernt wurden. Als man kurz nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Instandsetzungsarbeiten vornahm, hat der damalige Bauunternehmer sich in Eisenankern verewigt (mittig zu sehen): "W(ilhelm) D(ahmen) B(auunternehmen)". Im Vergleich der beiden Turmaufnahmen erkennt man, dass die Fenster auf den Turmseiten unterschiedlich ausgeführt sind: südwestlich (neuere Aufnahme) in Schießschartenform, nordwestlich (ältere Aufnahme) breiter. Hier sind offenbar strategische Gründe ausschlaggebend gewesen. Im Erdgeschoss ist das Mauerwerk 2 1/2 m stark ausgeführt, im ersten Obergeschoss noch 1,6 m.


Das vom Rhein-Kreis Neuss wiederhergestellte Wächterhäuschen am Juddeturm.
Es wurde 2010/11 nach Jahre langen Diskussionen um die richtige Dachform und nach Einholung
eines Baugutachtens rekonstruiert. Das Foto entstand unmittelbar nach der Fertigstellung.
[Foto: Hermann Kienle, 22.03.2011]

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Zons die Sage, der Name des Turms rühre daher, dass der erste Gefangene in dem Turm ein Jude gewesen sei. Hingegen dürfte sich der Name auf die Patrizierfamilie Judde beziehen, die auch in Zons begütert war und von der sich ein Grabstein erhalten hat, der heute unter dem Treppenaufgang zum Turm angebracht ist.

Im Frühjahr 1888 (Beginn der Arbeiten im Februar) erhielt der Juddeturm ein neues Schieferdach. Eine weitere Dacherneuerung erfolgte im Juli 1939.

 


Heutige Wetterfahne des Juddeturms aus dem Jahr 1675.
[Foto: Jürgen Kruppa, Grevenbroich-Neukirchen]


Wetterfahne des Juddeturms aus dem Jahr 1888 (anlässlich der Neubedachung des Turms). Vermutlich ist diese
Wetterfahne bei der nochmaligen Neueindeckung 1939 durch die heutige (ältere) Wetterfahne aus dem Jahr 1675 ersetzt worden.
Sie befindet sich heute in der Zonser Tourist-Info.


Eingang zum Juddeturm (vom Burgbereich aus zu erreichen). Vorne rechts geht es über eine Wendeltreppe auf den Turm bzw. in die höheren Stockwerke, durch die innere Tür in das ehemalige Gefängnis bzw. zum Verlies. An der "Kontrollklappe" in der Tür erkennt man, dass die Tür authentisch ist: Hier konnte die Wache kontrollieren, ob alles in Ordnung ist und gegebenenfalls Hilfe holen, ohne die Tür öffnen zu müssen.


Durch ein Eisengitter ist das Loch zum 11 m tiefen Verlies abgesichert, in das Schwerverbrecher hinab gelassen wurden.


An der Decke sieht man die hölzerne Vorrichtung, an der über eine Seilwinde Mahlzeiten in das Verlies hinab gelassen wurden.


Außen am Turm erkennt man den Lüftungsschacht zum Verlies; er ließ nur Luft hinein, nicht jedoch Licht, denn den Verbrecher ließ man absichtlich in absoluter Dunkelheit seine Zeit absitzen.


Auch in dem Raum über dem Verlies wurden Verbrecher festgekettet. Die Eingangstür zeigt auf der Innenseite Grafitti-Ritzungen z.T. religiösen Inhalts aus dem 18. Jahrhundert (unten die Jahreszahl 1718), die vermutlich von Inhaftierten oder nur einem Inhaftierten eingeritzt wurden. In der Ritzzeichnung oben rechts könnte eine umgedrehte Waage (als Hinweis auf ein als Unrecht empfundenes Urteil) zu erkennen sein.


In der Etage über dem Gefängnis finden sich Überreste eines ehemaligen Ofens, der den sich hier aufhaltenden Burg-Wachtsoldaten einen bescheidenen Wohlstand brachte. Den Ofenboden bilden im "Fischgrätenmuster" verlegte Steinplatten. Über dem Ofen befand sich der Kamin, dessen Schlot bis in das 20. Jahrhundert über das Dach des Juddeturms hinausragte.


Ofenüberreste in der Etage darüber.


Vom hohen Juddeturm aus hatte und hat man eine sehr gute Aussicht; hier der Blick Richtung 1876/78 errichtete neugotische Pfarrkirche St. Martinus. Vorne links ist die Schlossstraße, rechts die Grünwaldstraße zu sehen.


Häuser an der Schlossstraße mit Blick in Richtung ehemaliges Rathaus.
Ganz rechts sind die Gebäude des 1972 eröffneten Kreismuseums zu sehen.

[Quellen: Pfarrarchiv St. Martinus Zons, Nr. 6 (Pfarrchronik), S. 93-94 (Neubedachung 1882 und Allgemeines zum Bauwerk), S. 241 (Neubedachung 1939)]